RABC-System nach DIN EN 14065: Hygienische Wäschepflege in Pflegeeinrichtungen
Wie Heime, Kliniken und Dienstleister die Anforderungen der DIN EN 14065 effizient erfüllen: Prozesse, Validierung, Dokumentation und passende Wäschereitechnik – BG- und BetrSichV-konform.
Was bedeutet RABC nach DIN EN 14065?
RABC steht für Risk Analysis and Biocontamination Control und ist ein Hygienemanagement-System für Textilien. Die DIN EN 14065 definiert, wie Betriebe Risiken der mikrobiellen Kontamination entlang des gesamten Wäscheprozesses erkennen, steuern und überwachen – von der Schmutzwäscheannahme bis zur Auslieferung.
Ziel: reproduzierbar hygienisch einwandfreie Textilien – nachweisbar über definierte Prozessschritte, Messungen und dokumentierte Kontrollen.
Rechtliche Einordnung & Schnittstellen
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV): Wäschereimaschinen sind Arbeitsmittel. Prüf- und Dokumentationspflicht (§§ 3, 10), Gefährdungsbeurteilung nach TRBS 1111.
- DGUV Vorschrift 3: jährliche elektrische Prüfung (DIN VDE 0701-0702) durch befähigte Person.
- IfSG/Heimrecht (landesrechtlich): Hygienische Aufbereitung in Pflege & Medizin muss nachweisbar sein.
- DIN EN 14065 (RABC): Prozesshygiene und mikrobiologische Qualitätsziele, inkl. Validierung/Monitoring.
RABC ergänzt somit die Arbeitsschutz- und Gerätesicherheit um den hygienischen Prozessnachweis.
RABC-Grundprinzipien in der Wäscherei
- Prozessanalyse: Materialflüsse, Zonen (unrein/rein), Temperaturen, Chemie/Dosierung, Maschinenpark.
- Risikobewertung: Identifikation kritischer Kontrollpunkte (CCP), z. B. Beladung, Temperatur-Haltezeit, Dosiergenauigkeit, Kontamination beim Handling.
- Lenkungsmaßnahmen: validierte Programme (z. B. Thermo- oder chemo-thermische Desinfektion, Ozonprozesse mit Validierung), Dosierkontrolle, bauliche Trennung.
- Monitoring: Routinekontrollen (Abklatsch-/Kontaktproben, ATP-Tests, Temperatur-/Zeitaufzeichnung, Sichtkontrollen).
- Dokumentation & Schulung: SOPs, Checklisten, Prüfprotokolle, Unterweisungen, Audit-Trails.
- Validierung & Re-Validierung: initiale Freigabe und regelmäßige Überprüfung bei Änderungen (Maschine, Chemie, Temperatur, Prozess).
Bauliche & organisatorische Voraussetzungen
Zonierung & Materialfluss
- Trennung unrein → rein (baulich oder organisatorisch), ideal: Schleusenprinzip.
- Rückkontamination vermeiden: separate Wege, Behälter, Kennzeichnung, Handschuh-/Händehygiene.
Personal & Unterweisung
- Einweisung in Beladung, Programmauswahl, Dosierung, Handling von Schutztextilien.
- Arbeits- & Schutzkleidung, feste Zuständigkeiten, Vertretungsregel.
Technik & Dokumentation
- Maschinen mit validierbaren Programmen (Temperatur-/Zeitaufzeichnung, Dosier- und Sperrfunktionen).
- Wartungs-/Prüfpläne (BetrSichV/DGUV), Störungs- & Kalibrierprotokolle.
Validierte Waschprozesse (Beispiele)
| Prozess | Ziel | Nachweis/Anforderung | Hinweise |
| Thermische Desinfektion | Keimreduktion über Temperatur | z. B. ≥ 60 °C/≥ 30 min (hersteller-/normabhängig) | Temperaturfühler kalibrieren, Haltezeit protokollieren |
| Chemo-thermische Desinfektion | Kombination Chemie/Temperatur | Validierung durch Hersteller/Labor | Dosiergenauigkeit & Kontaktzeit sicherstellen |
| Ozon-/Kaltwaschprozesse | Hygiene bei 20–30 °C | Validierung (Schnelltest/Labor), AGW Ozon beachten | Waschmittel reduzierbar (je nach Anwendung bis zu 80 %) |
Wichtig: Prozessparameter (Temperatur, Zeit, Chemie/Ozon, Beladung) müssen reproduzierbar sein und im System dokumentiert werden.
Monitoring: Was wird regelmäßig geprüft?
- Prozessdaten: Temperaturkurven, Haltezeiten, Dosiermengen, Programmlog.
- Mikrobiologie: Oberflächen-/Textilproben (z. B. Abklatschtests) nach Plan.
- Anlagenzustand: Siebe/Filter, Dichtungen, Sensorik, Dosierpumpen.
- Rückkontamination: Transport, Lagerung, Auslieferung (Verpackung/Behälter).
Abweichungen führen zu Korrekturmaßnahmen (Sperren, Nachreinigung, Re-Validierung) und werden dokumentiert.
Dokumentation & Audit-Tauglichkeit
- SOPs/Arbeitsanweisungen: Annahme, Sortierung, Beladung, Programme, Trocknung, Mangel, Auslieferung.
- Checklisten & Protokolle: tägliche/montägliche Kontrollen, Wartungen, Prüfungen (inkl. DGUV V3-Berichte).
- Validierungsunterlagen: Initiale Validierung, Re-Validierungen, Laborergebnisse.
- Schulungsnachweise: Unterweisungen mit Datum, Teilnehmern und Inhalten.
- Rückverfolgbarkeit: Chargen-/Losdokumentation, Reklamationsprozess.
Digitalisierung hilft: zentrale Ordnerstruktur, Versionskontrolle, QR-Codes an Maschinen für Prüfpläne.
Technik-Tipps: Maschinen & Steuerungen
- Waschmaschinen mit Desinfektionsprogrammen, Temperatur-/Zeitaufzeichnung und gesperrten Parametern.
- Dosiersysteme mit Flowmeter/Kalibrierfunktion; Rückschlagventile gegen Kreuzkontamination.
- Integration von Ozonanlagen (z. B. AVED) möglich; AGW Ozon (TRGS 900) beachten.
- Trockner/Mangeln: Temperaturführung, Luftwege, Brandschutz & Sicherheitsschalter regelmäßig prüfen.
Einführung eines RABC-Systems: Schritt-für-Schritt
- Start-Workshop: Prozessaufnahme, Ziele, Verantwortlichkeiten.
- GAP-Analyse: gegen DIN EN 14065; Aktionsplan mit Prioritäten.
- SOPs & Schulung: Dokumente erstellen, Team unterweisen.
- Validierung: Programme/Pfade prüfen, Labor-/Schnelltests, Freigabe dokumentieren.
- Monitoring: jährlicher Prüfplan (technisch/mikrobiologisch), interne Audits.
- Re-Validierung: bei Änderungen (Maschine, Chemie, Temperatur, Layout) oder jährlich.
Digitalisierung hilft: zentrale Ordnerstruktur, Versionskontrolle, QR-Codes an Maschinen für Prüfpläne.
Fazit
Das RABC-System nach DIN EN 14065 macht Hygiene steuerbar, messbar und auditfähig. Mit passenden Maschinen, validierten Prozessen und sauberer Dokumentation erfüllen Pflegeeinrichtungen rechtliche Anforderungen – und sichern Qualität und Vertrauen.
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